Letzte Aktualisierung:
05. 06. 2017

 

Top 150 Briefmarken

 

Frau und Philatelie macht auf sich aufmerksam

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten wurde unser Verein durch Presseartikel aller Art immer aktiver. Frau und Philatelie machte sich nachhaltig bemerkbar und trat an die Öffentlichkeit. Was im Kulturbund der nicht mehr existierenden DDR schon lange Realität war – Frauen sind gleichberechtigt – musste bei uns erst erkämpft werden.

Nun konnte auch der Vorstand des BDPh nicht mehr an den Sammlerinnen vorbeisehen, bestellte den damaligen Beisitzer im  BDPh-Vorstand, Herrn Lindner, zur Ansprechperson für die Frauen des BDPh. Man startete einen Versuch auf der internationalen Briefmarkenbörse 1994 in Essen. Für ein gut organisiertes Frauencenter wurde Werbung gemacht. So stellten Sammlerinnen in einer Ausstellung ihre Sammlungen vor. Beides – das Center und die Ausstellung – fanden großes Interesse. Aktiv dabei waren Sammlerfreundinnen des 1. Frauen-Philatelistenclubs Berlin und von Frau und Philatelie. Die interessierten Besucher erhielten über Gutscheine ein für die Messe erstelltes „Frauen-Special“, noch einige philatelistische Unterlagen und eine Tasse Kaffee. 600 Besucher lösten in den vier Messetagen ihre Gutscheine ein und wir führten viele gute Gespräche.

 

Wohlfahrtsmarken Trachten 1993

Trachten 1993

 

Frauencenter 1994Zwei Attraktionen stellten wir im Frauen-Center vor. Frau Hannelore Heise aus Halle/Saale, Grafikerin, hat die Wohlfahrtsmarken (Trachten-Serie) 1993 entworfen. Und eine Kupfer- bzw. Stahlstecherin der Bundesdruckerei Berlin zeigte, wie der Entwurf einer Briefmarke übertragen und in Stahl gestochen wird.

Leider blieb diese Messe eine  einmalige Gelegenheit. Aber Frau und Philatelie nahm etwas Positives mit.

Danach setzte der BDPh eine BDPh-Frauenbeauftragte ein. Diese sollte die „Oberaufsicht“ über die LV-Frauen nehmen, sich für sie einsetzen und Sammlerinnen für den BDPh und die Vereine werben. In einem Artikel einer Fachzeitschrift wurde Frau Bullerkotte allen Sammlerinnen und Sammlern als von den Frauen in den BDPH gewählt vorgestellt.

Sie hatte es nicht leicht zwischen den altgedienten Sammlerinnen – sammelte sie doch selbst erst 2 Jahre "Bildchen" wie einige anmerkten (Katzenmotive). Dass das nicht lange gut gehen konnte war klar – sie warf alsbald das „Handtuch", hatte aber auf Anweisung des BDPh Vorstandes noch dafür gesorgt, dass in den Landesverbänden Sammlerinnen als Frauenbeauftragte eingesetzt wurden.

Jedoch gab es die Frauenbeauftragten (nicht jeder Landesverband hat auch eine ernannt) nicht sehr lange. Einzig erhalten blieben sie im LV Thüringen, hier war Frau Waldtraud Müller schon zu DDR-Zeiten für den Kulturbund Thüringen für die Jugendarbeit zuständig, und Elbe-Weser-Ems, wo Christine van Ratingen ja tätig war – diese beiden Frauenbeauftragen blieben bis heute erhalten.

Sonderstempel Bobria '98Der erste Erfolg unserer Aktivitäten stellte sich in Bothel auf der „BOBRIA“ 98 ein. Hier war ein ganzer Tag für uns Frauen reserviert. Eine stattliche Anzahl von Mitgliedern fand sich ein. Es wurde ein erster, erfolgreicher Tag für uns Frauen. Nicht nur aus Niedersachsen, auch aus Hamburg und Hessen kamen Sammlerinnen, um sich zu informieren und zu fachsimpeln. Informationen gab es reichlich, waren doch auch der Fachstellenleiter des BDPh für Fälschungen, Herr Heinz-Jürgen Langwost, und Rolf Behrens, Fälschungsressort im LV Elbe-Weser-Ems, für einen Vortrag eingeladen. Alle, nicht nur die Frauen, waren begeistert und haben sicherlich ihre Schätze zu Hause auf eben solche Fälschungen durchsucht.

Ein weiteres Highlight war ein damals etwas nicht so bekanntes, dafür aber umso interessanteres Sammelgebiet: „Gelochte Briefmarken“ oder Perfin genannt. Diese Marken haben eine große, eigene Geschichte, welche der damalige Leiter der ArGe, Herr Alfred Wirth, überzeugend und mit Begeisterung für diese Sammelart den Zuhörern und Zuschauern nahebringen konnte. Alle waren erstaunt, wie interessant dieses bis dahin recht unbekannte Gebiet ist. Viele ungewöhnliche Lochungen wurden vorgestellt, die Zahl der Lochungen beträgt heute über 15 000. Es wurden 100 Jahre alte Geräte gezeigt, mit denen man lochen konnte. Diese Lochungen wurden in Firmen, Behörden usw.gebraucht, um Briefmarken in ihrer Verwendung einzschränken. Interessant für Heimatforschung und -sammlung.

Einige Mitglieder von Frau und Philatelie hatten in den Ausstellungsrahmen schon eigene Exponate ausgehangen, um diese den Sammlerfreundinnen und -freunden vorzustellen. Helma Janssen errang in der Wettbewerbsklasse „Unsere Feuerwehr-Bürgerinitiative in Uniform“ Gold, Elly mit ihrer Sammlung „Giftpilze und ihre Verwendung“ Silber, Ursula mit „Leipziger Messe“ ebenfalls Silber und Inge bekam mit ihrer Sammlung „Hunderassen der Welt“ einen Ehrenpreis. Natürlich wurde abends in den Unterkünften etwas gefeiert. Alles in allem ein erfolgreicher Tag. Doch die Arbeit ging weiter. Neue Mitglieder meldeten sich an, darunter versierte Ausstellerinnen wie Ursula, Hannelore und einige andere mehr.Durch viele Initiativen von Mitgliedern (Artikel, Ausstellungen, gute Bewertungen von Exponaten – bis Rang 1) wurde eine Reihe von ihnen mit Auszeichnungen geehrt. Aber auch verdiente Mitglieder wurden ausgezeichnet.

Damit gaben wir uns jedoch noch lange nicht zufrieden. Ziel war es, eine Frau in diese seit über 50 Jahren bestehende Männerdomäne zu integrieren. So trafen wir Frauen uns zum Bundestag in Leipzig und setzten die Präsidentin des 1. Frauenvereins Berlin, Frau Hildegard Langwost, auf die Wahlliste für den BDPh. Sie war die Ehefrau des leider verstorbenen Fälschungsexperten im BDPh. Frau Langwost übernahm den 1977 von Frau Elli Holtz gegründeten Frauenverein, dessen Vorstand uns übernehmen wollte, als wir Waise geworden waren.
Frau Langwost stellte sich den versammelten Herren vor, man(n) war sprachlos, rege Diskussionen begannen. Natürlich wurde Frau Langwost nicht gewählt, obwohl zwei oder drei Landesverbände dafür stimmten. Das Alter spielte eine Rolle, nicht die Kompetenz.

Auf diesem Bundestag in Leipzig lernte Chrisine van Ratingen Helma Janssen kennen. Ihr Mann, Herr Janssen, hatte den Vorsitz im Landesverband übernommen. Helma wurde Mitglied und zweite Vorsitzende im Verein Frau und Philatelie. So konnte der Verein in der Fachpresse Werbung mit „ihr“ machen. Weitere Gespräche und Gedanken um/für eine Frau im BDPh-Vorstand ließen den Vorstand nicht los. Es war doch Zeit dafür! Der ehemalige Präsident gab dann sein Wort, sprach mit Helma, die dann erst zustimmte, als ein neuer Präsident gewählt werden sollte und sie von dem Präsidentenkandidaten gefragt wurde, ob sie bereit dazu sei.

2001 beim Bundestag in Bad Dürkheim wurde Helma Janssen als erste Frau nach über 50 Jahren in den BDPh-Vorstand gewählt. Zum Glück hatten wir Frauen daran gedacht, einen Blumenstrauß mitzubringen. Nun hatten wir ein Mitglied im BDPh-Vorstand, aber der Frauenarbeit brachte es nichts. Helma wurde nämlich für die Jugend eingesetzt, obwohl es eine eigene Vereinigung der philatelistischen Jugend gab/gibt. Ihre Tätigkeit wurde später auf das Ressort Jugend und Familie erweitert, wir Frauen allgemein blieben aber „außen vor“.

Fleißig sammelten wir nun für den Sammler-Nachwuchs. Zahlreiche Spenden von Zubehör (gebrauchte Kataloge, Steckalben, Briefmarken u. v. m.) kamen nicht nur von Mitgliedern, sondern auch von tauschenden Sammlerfreunden.

Natürlich sammeln wir nicht nur Briefmarken für unser Hobby, wir verkaufen sie auch und spenden das Geld für karitative Einrichtungen. So wie unser Mitglied Marianne: Viele Jahre stand sie auf Trödelmärkten, bat bei großen Firmen um Sachspenden und verkaufte und spendete. Jedes Jahr kam ein Betrag von ca. 50.000 DM, später 25.000 € zusammen. Auch im hohen Alter sammelt und verkauft sie immer noch. Frau und Philatelie als Verein reichte beim damaligen Bundespräsidenten Dr. Roman Herzog in Nordrhein-Westfahlen ein Gesuch ein, um Marianne zu ehren. Sie leitete seit vielen Jahren den Verein Andheri-Hilfe e.V. mit. In dieser Funktion sammelte sie Spenden für die Augenkranken in Indien und Bangladesch. Marianne blieb immer bescheiden im Hintergrund, machte kein Aufhebens um ihre selbstlose Tätigkeit. Nach ca. eineinhalb Jahren  kam der Bescheid zur Auszeichnung.

 

Ehrung

Marianne erhält den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

 

Unsere Roswitha gelangte über den zweiten Bildungsweg zu ihrem Beruf. Sie macht sich stark in der Hospizarbeit, arbeitet mit russischen Ärzten zusammen, um auch dort die Hospiztätigkeit zu vermitteln. Mit einem Team anderer Ärztinnen und Ärzte hat sie jetzt ein Hospiz eingerichtet.

HertaMitglied Herta hat ein besonderes Sammelgebiet: Sie sammelt seit vielen Jahren Briefe und Karten aus  den Weltkriegen von Kindern an die Väter zur Front und von den Vätern zurück in die Heimat. Viele Fernsehauftritte, Radiointerviews und Zeitungsartikel wurden davon gemacht. Ein Buch und Museumskatalog wurde herausgebracht. 

„Abends, wenn wir essen, fehlt uns immer einer. Das bist Du“, schreibt die zehnjährige Edith 1943 an ihren Vater an der Front. Das ist auch der Titel von Hertas bewegender Ausstellung im Museum für Kommunikation am Schaumainkai 53 in Frankfurt/Main. „Es geht darum, mal eine andere als die offizielle Seite dieser Zeit zu zeigen“, sagte Herta. Und die Ausstellung solle nicht nur politisch gesehen werden, denn politisch hätten die Kinder damals nicht gedacht. Sie solle auch zeigen, wie normal für die Kinder das Leben im  sogenannten Dritten Reich sein  konnte. Ganz außen vor lassen kann man das Politische aber auch nicht. In ihrer Ausstellung kommen beispielsweise keine Schicksale vor, bei denen die Familienväter nicht an der Front waren, sondern die sich in Lager, KZs oder im Exil befanden.

Ausstellerinnen wie Ursula, die leider plötzlich verstarb, Helma Janssen, Eva , Elly aus den Niederlanden stellten erfolgreich aus. Helma mit dem Exponat „Feuerwehr“, Elly mit den Exponaten „Pilze“ und „Behinderung = Blind“. Eine stattliche Anzahl von Anfängerinnen holten sich Rat und Tat von diesen erfahrenen Ausstellerinnen. Auch hier konnten Erfolge erzielt werden.