Letzte Aktualisierung:
18. 05. 2018

 

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Mann Borgese, Elisabeth

Meeresschützerin, Autorin

* 24.4.1918 München, † 8.2.2002 St. Moritz, Schweiz

mann borg

Elisabeth Veronika war das fünfte von sechs Kindern von Thomas und Katia Mann und erklärter Liebling ihres Vaters – der Literaturnobelpreisträger setzte ihr in seinem "Gesang vom Kindchen" ein Denkmal. Mit ihm teilte sie die Liebe zum Meer.

Elisabeth wuchs in wohlhabenden großbürgerlichen Verhältnissen auf, sie liebte Musik und Literatur. Sie war hochbegabt und besuchte Privatschulen und das Gymnasium. 1933 emigrierte die Familie Mann in die Schweiz, 1938 in die USA. Elisabeth begann sich für Politik und Feminismus zu interessieren. In Zürich und New York ließ sie sich zur Konzertpianistin ausbilden, übte den Beruf aber nie aus. Bis zur Heirat lebte sie bei ihren Eltern.

1939 heiratete Elisabeth den 36 Jahre älteren italienischen antifaschistischen Schriftsteller und Professor Giuseppe Antonio Borgese; das Paar bekam zwei Töchter. Elisabeth war zunächst Hausfrau/Mutter und Assistentin ihres Mannes und verfasste ab 1948 eigene Zeitungsartikel. Die Einarbeitung in politische und ökonomische Themen sowie Diskussionen mit Wissenschaftlern fielen ihr leicht, und sie zeigte diplomatisches Geschick und Organisationstalent. 1950 wurde sie Präsidentin der „International Organisation of World Federalists“.

1952 erhielt Giuseppe Antonio Borgese eine Professur in Mailand, und die Familie zog nach Italien. Schon wenige Monate später starb Elisabeths Mann, mit ihren Töchtern (12 und 8) blieb sie in Italien. Sie arbeitete als Deutschlehrerin und Redakteurin und ab 1964 an einem interdisziplinären Institut in Santa Barbara CA, seitdem pendelte sie zwischen Italien und Californien.

1967 wurde sie auf die politische und Umwelt-Problematik der Ozeane aufmerksam; der Schutz und die gemeinsame Nutzung der Meere waren fortan ihr Hauptanliegen. 1970 war sie das einzige weibliche Gründungsmitglied des Club of Rome. In Zusammenarbeit mit dem maltesischen UN-Botschafter gründete sie 1972 das Ozean-Institut auf Malta und organisierte internationale Meeres-Konferenzen. Ihr Buch "Das Drama der Meere" (1976) wurde zum Bestseller. Am Inhalt der UN-Seerechtskonvention, 1982 verabschiedet, hatte sie großen Anteil – die Meere gehören heute zum Gemeinerbe der Menschheit.

1978 übernahm Elisabeth Mann Borgese eine Gastprofessur in Halifax, Canada, und lehrte dort Internationales Seerecht. In den 1980er Jahren errichtete sie weltweit Zweigstellen des Ozean-Instituts; die „Lady of the oceans“ erlangte internationale Anerkennung. Sie starb überraschend im Skiurlaub in der Schweiz und wurde in der Nähe von Zürich beigesetzt.

(Iris Ruhl 2018)

 

Briefmarken:

  • Deutschland 3375 (2018)

 

Literatur und Quellen: