Letzte Aktualisierung:
05. 06. 2017

 

Top 150 Briefmarken

 

Goethe, Christiane von

Ehefrau des Dichters Johann Wolfgang von Goethe

* 1.6.1765 Weimar, † 6.6.1816 Weimar

goethe chr

Johanna Christiana Sophia Vulpius wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Als sie sechs Jahre alt war, starb ihre Mutter, und der Vater heiratete erneut; von insgesamt zehn Kindern erreichten aber nur Christiane, ihr ältester Bruder und eine jüngere Halbschwester das Erwachsenenalter. Ob Christiane Vulpius je eine Schule besuchte, lässt sich nicht mehr feststellen, aber sie lernte leidlich Lesen und Schreiben. Nach dem Tod des Vaters arbeitete sie als Putzmacherin.

Christiane Vulpius hatte ein herbes Gesicht, einen dunklen Teint und dunkle Locken und war eine fröhliche, lebenslustige Frau, die Geselligkeit liebte und gern tanzte. Als Bittstellerin für ihren Bruder lernte sie 1788 den Staatsminister Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) kennen – und lieben. Sie zogen zusammen: der Beginn einer 18 Jahre währenden „Wilden Ehe“. Zunächst wurde die Affäre geheim gehalten, doch bald waren die Folgen offensichtlich; Ende 1789 kam Sohn August zur Welt. Es folgten vier weitere Kinder, die allerdings nur wenige Tage lebten. (Grund war nach heutigem Wissensstand wohl eine Unverträglichkeit der Rhesusfaktoren.)

Christiane schätzte Goethes Lebensstil und er ihre Sinnlichkeit und Natürlichkeit, die ihn zu ausdrucksstarken Gedichten inspirierten; seine "Römischen Elegien" entstanden zu Anfang ihrer Beziehung. Christiane besorgte Haushalt und Garten und nahm ihm alle Unannehmlichkeiten ab, damit er unbesorgt schreiben konnte. Sie brachte viel Verständnis auf, wenn Goethe unterwegs war, tolerierte aber seine Affären, und er kehrte immer gern zu seinem „Hausschatz“ zurück. Am gemütlichen Zuhause lag ihm viel, gemeinsame Unternehmungen waren jedoch rar. Wenn Gäste empfangen wurden, sorgte Christiane für das leibliche Wohl, blieb aber stets im Hintergrund. In der Weimarer Gesellschaft wurde „die von Goethische Haushälterin“ von ihren Zeitgenossen verachtet.

Während der Kriege gegen Napoleon wurden in Weimar Soldaten einquartiert. Eine Legende besagt, dass Christiane couragiert nicht nur Goethes Eigentum, sondern auch sein Leben vor plündernden französischen Soldaten rettete – darauf überdachte Goethe seine Lebenssituation und heiratete Christiane 1806. Auch nach der Hochzeit fand Christiane von Goethe nur begrenzten Zugang zur Weimarer Gesellschaft. Zu Goethes Mutter, die erst von ihr und dem Enkel erfuhr, als der schon vier war, hatte Christiane immer ein herzliches Verhältnis. Nach 25 Jahren mit seiner Christiane schrieb Goethe für sie das Gedicht "Gefunden": „Ich ging im Walde so für mich hin …“.

In ihrem letzten Lebensjahr kämpfte Christiane mit Übergewicht, Bluthochdruck und Nierenproblemen und erlitt mehrere Schlaganfälle. Sie wurde bettlägerig – Goethe, der Krankheit als Störung seines künstlerischen Schaffens empfand, stürzte sich rastlos in Arbeit. Christiane von Goethe starb mit 51 Jahren vermutlich an Nierenversagen. Beerdigung und Trauerfeier wurden von ihrem Sohn organisiert – ihr Mann nahm nicht daran teil. Ihre Bronzestatue steht im Kurpark von Bad Lauchstädt.

 

Quellen:

 

Briefmarken:

  • Deutschland SSt. 06246 Bad Lauchstädt, 3.10.2009
  • Nordkorea Bl.122 (1982) (auf dem Blockrand: Christiane Vulpius, gezeichnet von J. W. von Goethe 1788)

(Iris Ruhl 2016)