Letzte Aktualisierung:
07. 11. 2017

 

Top 150 Briefmarken

 

Selbert, Elisabeth

Deutsche Politikerin

* 22.9.1896 Kassel, † 9.6.1986 Kassel

 

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Elisabeth Selbert war eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“.

Elisabeth Rohde – so ihr Mädchenname – war die zweite von vier Töchtern des Gefängniswärters Georg Rohde und seiner Frau Eva. 1912 verließ Elisabeth die Realschule – im Gegensatz zu den Jungen ohne Reifezeugnis, was sie damals schon als ungerecht empfand. Danach besuchte sie die Gewerbe- und Handelsschule des Kasseler Frauenbildungsvereins. Sie arbeitete als Auslandskorrespondentin bei einer Import-Export-Firma und während des Ersten Weltkriegs im Telegrafenamt.

1920 heiratete sie den Buchdrucker Adam Selbert und bekam zwei Söhne. Ihr Mann, politisch aktiv in der SPD, ermutigte sie zu Weiterbildung und eigener politischer Tätigkeit. Elisabeth Selbert, seit 1918 SPD-Mitglied, sprach auf Parteitagen: sie setzte sich für Frauenrechte ein und motivierte andere Frauen zur Mitarbeit in der Politik. 1920 war sie Delegierte der ersten Reichsfrauenkonferenz in Kassel.

Elisabeth Selbert schlug einen für die 1920er Jahre ungewöhnlichen Weg ein: Im Selbststudium holte sie – trotz Doppelbelastung durch Beruf und Haushalt mit zwei kleinen Kindern – das Abitur nach, das sie 1925 extern ablegte. Ab 1926 studierte sie Jura, zunächst in Marburg, dann in Göttingen, und promovierte 1930 zum Dr. der Rechtswissenschaften; ihre Dissertation schrieb sie über „Zerrüttung als Ehescheidungsgrund“. 1934 wurde sie die erste Staatsanwältin Kassels.

Ende 1934 erhielt Dr. Elisabeth Selbert die Zulassung als Rechtsanwältin. So konnte sie während der schweren NS-Zeit ihre Familie ernähren, da ihr Mann nach seiner Entlassung aus der Schutzhaft nicht mehr arbeiten durfte.

1948 war Dr. Elisabeth Selbert eine von vier Frauen im Parlamentarischen Rat, der die Aufgabe hatte, das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland auszuarbeiten. Mit Hartnäckigkeit und der Unterstützung verschiedener Frauenverbände und Gewerkschaften konnte sie die endgültige „Selbertsche“ Formulierung durchsetzen: Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes lautet also „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“.

Als SPD-Abgeordnete im Hessischen Landtag setzte sich Elisabeth Selbert für ein neues Familienrecht ein. 1958 schied sie aus dem Landtag aus und arbeitete bis 1981 als Rechtsanwältin in ihrer eigenen Anwaltskanzlei, die auf Familienrecht spezialisiert war. 1984 wurde sie zur Ehrenbürgerin von Kassel ernannt.

 

Briefmarken:

  • Bundesrepublik Deutschland 1338 (1987)

 

Quellen:

(Iris Ruhl 2008)