Letzte Aktualisierung:
05. 06. 2017

 

Top 150 Briefmarken

 

Benario-Prestes, Olga

Deutsche Widerstandskämpferin

* 12.2.1908 München,† 4./5.4.1942 Bernburg

 

DDR Mi 718 (1949)

 

Die engagierte Kommunistin Olga Benario-Prestes verlor auch im KZ nie die Hoffnung.

Olga Benario stammte aus einer reichen jüdischen Anwaltsfamilie. Ihre elegante Mutter Eugenie verkehrte in der Münchner Gesellschaft; Vater Leo war in der SPD und weckte Olgas politisches Interesse. Ab dem 10. Lebensjahr besuchte Olga die Städtische Höhere Töchterschule. Nach Beendigung der Schule arbeitete sie in einer Buchhandlung.

1924 lernte sie den Lehrer und kommunistischen Schriftsteller Otto Braun (24) kennen und verliebte sich. Mit 17 verließ sie ihr bürgerliches Elternhaus und zog mit ihm nach Berlin, wo sie aktiv im kommunistischen Jugendverband von Berlin-Neukölln war.

Die linientreue Kommunistin Olga Benario geriet 1926 kurzzeitig in Haft. Im April 1928 befreite sie mit Hilfe von Gesinnungsgenossen ihren Lebensgefährten aus dem Untersuchungsgefängnis Moabit und flüchtete mit ihm nach Moskau. Sie wurde eine der Führerinnen der Kommunistischen Internationalen Jugend, lernte Fallschirmspringen und wurde zur Guerillakämpferin ausgebildet.

1934 begleitete Olga Benario den Anführer der brasilianischen Opposition, Luis Carlos Prestes, nach Brasilien. Während der Seereise verliebten sich die beiden ineinander (ob sie tatsächlich verheiratet waren, ist ungeklärt). Ihre illegale Tätigkeit wurde durch ein Luxusleben in Rio de Janeiro getarnt. Nach der Niederschlagung des Aufstandes von 1935 in Brasilien wurden alle Beteiligten verhaftet. Luis Carlos Prestes wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, Olga Benario-Prestes trotz ihrer Schwangerschaft im September 1936 als unerwünschte Ausländerin nach Nazi-Deutschland abgeschoben.

Im Frauengefängnis in Berlin Barnimstraße gebar Olga Benario-Prestes im November 1936 eine Tochter, Anita Leocadia, die ihr allerdings Anfang 1938 weggenommen wurde. Es gelang ihr, Briefe an ihre Mutter, Schwiegermutter und ihren Mann aus dem Gefängnis zu schmuggeln.

Olga Benario-Prestes wurde 1938 ins Konzentrationslager Schloss Lichtenburg gebracht und 1939 nach Ravensbrück transportiert; zeitweise war sie Lagergenossin von Tilde Klose. Als Blockälteste spendete sie selbst im KZ ihren Mitgefangenen noch Kraft und Mut und gab die Hoffnung nie auf. Im Frühjahr 1942 wurde sie nach Bernburg verlegt und dort vergast. Auch ihre Mutter und ihr Bruder endeten in der Gaskammer.

Tochter Anita wuchs bei den Großeltern auf und lebt heute in Brasilien.

 

Briefmarken:

  • DDR 718 (1949)

 

Quellen:

(Iris Ruhl 2008)