Die Hälfte der Welt

In zehn der 15 Mitgliedsverbände des BDPh und in drei der vier Verbände auf Bundesebene bleiben die Männer unter sich.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„weil wir im Jahr 2015 leben“. Justin Trudeau, liberaler Ministerpräsident von Kanada, fand klare Worte, weshalb sein Kabinett zur Hälfte mit Frauen und zur Hälfte mit Männern besetzt ist. 2015 hatte er die Unterhauswahlen klar gewonnen und ebenso deutlich demonstriert, wie man die Führung eines modernen Industriestaates zeitgemäß aufstellt. Anderswo sitzen Frauen sogar den Kabinetten vor, in Norwegen, Großbritannien und Polen zum Beispiel, und auch in Mecklenburg-Vorpommern und der Bundesrepublik Deutschland bekleiden Frauen die Spitzenpositionen in der jeweiligen Regierung.

Die Philatelie scheint dagegen zu Beginn des 20. Jahrhunderts steckengeblieben zu sein, als man huldvollst den Frauen gestattete, wenigstens bei Wahlen ihre Stimmen abzugeben. Ob in den Vorständen von Vereinen oder Verbänden – fast überall bleiben die Männer unter sich. Zehn der 15 Mitgliedsverbände des BDPh kennen nicht eine einzige Frau im Vorstand: Bayern, Berlin-Brandenburg, Mittelrhein, Niedersachsen, Norddeutschland, Saarland, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Südwestdeutschland und Thüringen.

In Hessen, Rhein-Main-Nahe bekleidet Gertrude Almquist-Bois den stellvertretenden Vorsitz und betreut die Fachstelle Forschung und Literatur, in Nordrhein-Westfalen leitet Gudula Uebber das Ausstellungswesen, und in Elbe-Weser-Ems verwaltet Christine Hennings die Kasse. Der Verband Philatelistischer Arbeitsgemeinschaften und die Deutsche Philatelisten-Jugend beriefen in Ingrid Kohlhagen und Gabriele Lennartz Geschäftsführerinnen.

Auf Bundesebene ist der BDPh einzigartig. Dem Bundesvorstand gehört Helma Janssen als Beisitzerin an. Der Fachhändlerverband APHV, der Bundesverband Deutscher Briefmarkenversteigerer und der Bund Philatelistischer Prüfer verzichten dagegen auf die Hälfte der Welt. In den Ortsvereinen und Arbeitsgemeinschaften schaut es in der Regel nicht besser aus als in den Dachverbänden und ihren Unterorganisationen.

Da verwundert es kaum, dass nur wenige Frauen in die Philatelie finden. Widmen sie sich diesem Hobby, bleiben sie oftmals den Vereinen fern. Sie spüren nämlich genau, dass die Männer am liebsten unter sich bleiben würden. Also ziehen sie die Konsequenzen und verzichten auf die Mitgliedschaft.

Nun mag der eine oder andere einwenden, wenn nur fünf Prozent der Mitglieder des BDPh weiblich sind, dann genüge es, wenn Frauen fünf Prozent der Ämter bekleiden. Dies ist so banal wie falsch und außerdem kontraproduktiv. Jeder weiß, dass man neue Mitglieder nur gewinnt, wenn man auf sie zugeht. Mit mindestens einer Frau im Vorstand zeigt man, dass man die Zeichen der Zeit erkannt hat. In der Politik ist das der Fall; Frauen erreichen längst Führungspositionen, auch wenn sie in den Parlamenten noch meistens in der Minderheit bleiben. Wann wird die organisierte Philatelie erwachen? Das Jahr 2015 ist schon wieder eine Weile vorbei ...

Torsten Berndt

Quelle: Briefmarken Spiegel 9/2017

(24.8.2017)

 

Was uns blühen kann

Liebe Sammlerfreundinnen und Sammlerfreunde!

Fassungslos habe ich den Artikel "Sammlerinnen nicht relevant" gelesen. Eigentlich dachte ich wir wären im Jahr 2017, habe mich aber offenbar getäuscht: Wir sind noch – oder schon wieder? – im Mittelalter gelandet.

So wird es also durch die (erfolgreiche?) Wahl des neuen Vorstandes des BDPH werden. Wir (das Kleinvolk) dienen nur dazu Beiträge zu löhnen – aber nicht mit mir!!!

Meine Alternative ist der Austritt aus dem BDPh – nach dem Bundestag und nach der Aussage von Team Decker, es kandidiere nicht mehr. Ich möchte keinen Präsidenten und kein Mitglied eines Vorstandes, welches uns Sammlerinnen und Sammler nicht "wertschätzt", dafür haben wir Frauen nicht 30 Jahre gekämpft und unseren "Mann" gestanden.

Eure/Ihre Christine van Ratingen, noch Mitglied im Verein Frau und Philatelie

(14.8.2017)

   

Sammlerinnen nicht relevant

Bei der Vorstellung des Teams Schmidt für den neuen Bundesvorstand des BDPh wurde gefragt, warum keine Frau im Team vertreten sei. Die Antwort von Alfred Schmidt und Jan Billion macht frau fassungslos.

Gertrude Almquist-Bois, stellvertretende Vorsitzende des Verbandes der Philatelisten-Vereine Hessen, Rhein-Main-Nahe e.V. hat dazu einen Artikel in den Verbandsnachrichten ihres Landesverbandes geschrieben. Diesen interessanten Artikel wollen wir Ihnen nicht vorenthalten:

 

Frauen und Philatelie?

Passt nicht zusammen. Neben Karriere und Kinder haben Frauen keine Zeit für Briefmarken. Frauen in Führungsposition? Etwa 5% der BDPh-Vereinsmitglieder sind weiblich. Wenn die Proportionen respektiert sind, gibt es in egal welchem Vorstand Platz für nicht mal eine halbe Frau. Die Rolle der Frauen in der Philatelie ist also nicht relevant, im Vorstand haben sie keinen Platz.

Vor wenigen Tagen haben mir zwei kompetente Männer dies ganz ernst erklärt. Es war die Reaktion auf meiner Frage bezüglich Frauen in Führungsposition in der Philatelie, mein Ausgangspunkt war die erstrebten Doppelspitze in der Politik und die Parität in der Wirtschaft. Die Antwort kam sehr spontan, die beide Männer waren auf das Thema total unvorbereitet, es war ihnen nie eingefallen, dass auch Frauen in einem Vorstand einen Platz haben könnten.

Auch wenn die Anzahl der weiblichen Vereinsmitglieder in BDPh niedrig ist, ist der Ausschluß der Frauen von den Vorständen in keinem Fall zeitgemäß und bezeugt eine veraltete Sichtweise.

Absolut ohne Zusammenhang ist die Geschichte eines jungen Fräuleins, das 1931 von der Oberpostdirektion des Saargebietes eine Anstellung als Postbetriebsassistentin bekam. Im kurzen Anstellungsschreiben war aber hinzugefügt, würde sie heiraten, wird sie fristlos gefeuert. In der von Arbeitslosigkeit geplagten Weimarer Republik ging es darum, die vorhandenen Arbeitsplätze den Männern freizuhalten. Wenige Jahre später wurden Männer zur Mangelware und arbeitswillige Frauen, egal ob mit oder ohne Kinder, wurden händeringend gesucht. Wieder einige Jahre später wurden die Frauen zurück ans Herd geschickt und heute sollen sie nochmals der Wirtschaft zur Verfügung stehen. Mit dem Unterschied, dass das Recht Führungspositionen zu besetzen, entsprechend belohnt zu werden und öffentliche Anerkennung als vollwertige Bürger zuerkannt zu bekommen, in unserer heutigen Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit ist.

Bei den Mitgliedern der Vereinen sind Männer keine Mangelware, das Problem ist, dass wenig neue dazukommen und dass die Vereine dadurch langsam aussterben. Was tun? Mitgliederbewerbung betreiben so gut wie alle Vereine, einigen wenigen gelingt es eher als anderen. Auf welche Zielgruppe wird fokusiert? In der Regel auf keine, man hofft auf die "Laufkundschaft" einer Werbeschau oder eines Großtauschtags.

Grob gesehen besteht die Bevölkerung Deutschlands zur Hälfte aus Männer und zur Hälfte aus Frauen. Die BDPh-Vereinsmitglieder bestehen aus ca. 95% Männer und 5% Frauen. Wenn es gelingen würde, die Anzahl der BDPh-angeschlossenen Frauen in Proportion zur weiblichen Gesamtpopulation zu erhöhen und die gleiche Quote wie für Männer zu erreichen, würde sich die Anzahl der BDPh-Vereinsmitglieder fast verdoppeln. Dieses Potential wird von den Verbänden vieler Staaten erkannt und sehr ernst genommen. Frauen werden nicht nur mit Aktionen Typ Frauen auf Zacken oder Frauen-Cafés gelockt, sondern auch mit lockeren Diskussionsrunden, wo sich Frauen über ihre spezifischen Problemen unterhalten können. In Schweden z.B. gibt es kaum eine Ausstellung oder Werbeschau ohne die sehr beliebte Tussi-Ecke, die nicht von mitgeschleppten nicht sammelnden Ehefrauen gefüllt ist, sondern von vollblütigen Philatelistinnen.

Wie ist die Zielgruppe Frauen zu erreichen? Ich würde sagen, genau so wie die erstrebte Frauenquote in der Politik und die Wirtschaft erhöht wird: Förderung durch Anerkennung, Gleichberechtigung, Chancengleichheit. Merken die Frauen, dass sie ernst genommen werden und nicht mehr hören müssen, dass Briefmarken Männersache ist und dass Frauen und Philatelie nicht zusammenpassen, dann könnten sie ihr Hobby in einem Verein entspannter angehen.

Aber wie lockt man überhaupt die Frauen an? Wie kann man sie dazu bewegen den ersten Schritt zu machen? Und danach dauerhaft zu den Vereinstreffen zu kommen? Erwartet eine Frau vom Verein etwas anderes als ein Mann? Sammeln die Frauen anders als ein Mann? Wie reagieren die Männerrunden auf weibliche Mitglieder? Sollten die Frauen eher in speziellen Frauenvereinen geparkt werden?

Egal ob Sie Frau oder Mann sind, Ihre Kommentare zu diesem Artikel und Ihre Antworten zu den Fragen interessieren mich, da ich auf der Suche nach einer klaren Linie für die Bewerbung von weiblichen Mitgliedern bin. Sprechen Sie gerne auch mit sammelnden und nicht sammelnden Frauen und Männern in Ihrer Nähe.

Auf Ihre Kommentare und Antworten freue ich mich im Voraus und danke Ihnen für das Mitmachen.

Gertrude Almquist-Bois

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(4.8.2017)

   

Briefmarken-Messe Essen 2017 bringt neue Mitglieder

Das Café "Frauen auf Zack(e)" auf der Briefmarken-Messe Essen war auch 2017 gut besucht – von Sammlerinnen und solchen, die es eventuell in Zukunft werden möchten. Und auch dieses Jahr konnte unser Verein neue Mitglieder gewinnen.

essen 2017

Die fleißigen Helferinnen – Vereinsmitglieder von "Frau & Philatelie" – am Café des Ressorts Jugend, Familie, Bildung des BDPh rührten kräftig die Werbetrommel für die Philatelie, und so entschlossen sich drei Sammlerinnen spontan zum Beitritt.

Wir heißen unsere neuen Mitglieder herzlich willkommen und hoffen, dass wir auch weitere Sammlerinnen anregen können, den Weg zu uns oder in ihren Heimatverein zu finden.

(26.5.2017)

   

Café "Frauen auf Zack(e)" 2017

Noch sieben Tage, dann öffnet die Messe Essen wieder ihre Tore für passionierte Briefmarken-LiebhaberInnen.

Vom 11. bis 13. Mai 2017 finden Messe-Besucherinnen und Begleiterinnen das Café "Frauen auf Zack(e)" in der linken Hälfte der Halle.

Kommen Sie doch auf eine Tasse Kaffee vorbei - wir freuen uns auf Sie!

(4.5.2017)

   

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