Letzte Aktualisierung:
29. 09. 2017

 

Top 150 Briefmarken

 

Sammlerinnen nicht relevant

Bei der Vorstellung des Teams Schmidt für den neuen Bundesvorstand des BDPh wurde gefragt, warum keine Frau im Team vertreten sei. Die Antwort von Alfred Schmidt und Jan Billion macht frau fassungslos.

Gertrude Almquist-Bois, stellvertretende Vorsitzende des Verbandes der Philatelisten-Vereine Hessen, Rhein-Main-Nahe e.V. hat dazu einen Artikel in den Verbandsnachrichten ihres Landesverbandes geschrieben. Diesen interessanten Artikel wollen wir Ihnen nicht vorenthalten:

 

Frauen und Philatelie?

Passt nicht zusammen. Neben Karriere und Kinder haben Frauen keine Zeit für Briefmarken. Frauen in Führungsposition? Etwa 5% der BDPh-Vereinsmitglieder sind weiblich. Wenn die Proportionen respektiert sind, gibt es in egal welchem Vorstand Platz für nicht mal eine halbe Frau. Die Rolle der Frauen in der Philatelie ist also nicht relevant, im Vorstand haben sie keinen Platz.

Vor wenigen Tagen haben mir zwei kompetente Männer dies ganz ernst erklärt. Es war die Reaktion auf meiner Frage bezüglich Frauen in Führungsposition in der Philatelie, mein Ausgangspunkt war die erstrebten Doppelspitze in der Politik und die Parität in der Wirtschaft. Die Antwort kam sehr spontan, die beide Männer waren auf das Thema total unvorbereitet, es war ihnen nie eingefallen, dass auch Frauen in einem Vorstand einen Platz haben könnten.

Auch wenn die Anzahl der weiblichen Vereinsmitglieder in BDPh niedrig ist, ist der Ausschluß der Frauen von den Vorständen in keinem Fall zeitgemäß und bezeugt eine veraltete Sichtweise.

Absolut ohne Zusammenhang ist die Geschichte eines jungen Fräuleins, das 1931 von der Oberpostdirektion des Saargebietes eine Anstellung als Postbetriebsassistentin bekam. Im kurzen Anstellungsschreiben war aber hinzugefügt, würde sie heiraten, wird sie fristlos gefeuert. In der von Arbeitslosigkeit geplagten Weimarer Republik ging es darum, die vorhandenen Arbeitsplätze den Männern freizuhalten. Wenige Jahre später wurden Männer zur Mangelware und arbeitswillige Frauen, egal ob mit oder ohne Kinder, wurden händeringend gesucht. Wieder einige Jahre später wurden die Frauen zurück ans Herd geschickt und heute sollen sie nochmals der Wirtschaft zur Verfügung stehen. Mit dem Unterschied, dass das Recht Führungspositionen zu besetzen, entsprechend belohnt zu werden und öffentliche Anerkennung als vollwertige Bürger zuerkannt zu bekommen, in unserer heutigen Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit ist.

Bei den Mitgliedern der Vereinen sind Männer keine Mangelware, das Problem ist, dass wenig neue dazukommen und dass die Vereine dadurch langsam aussterben. Was tun? Mitgliederbewerbung betreiben so gut wie alle Vereine, einigen wenigen gelingt es eher als anderen. Auf welche Zielgruppe wird fokusiert? In der Regel auf keine, man hofft auf die "Laufkundschaft" einer Werbeschau oder eines Großtauschtags.

Grob gesehen besteht die Bevölkerung Deutschlands zur Hälfte aus Männer und zur Hälfte aus Frauen. Die BDPh-Vereinsmitglieder bestehen aus ca. 95% Männer und 5% Frauen. Wenn es gelingen würde, die Anzahl der BDPh-angeschlossenen Frauen in Proportion zur weiblichen Gesamtpopulation zu erhöhen und die gleiche Quote wie für Männer zu erreichen, würde sich die Anzahl der BDPh-Vereinsmitglieder fast verdoppeln. Dieses Potential wird von den Verbänden vieler Staaten erkannt und sehr ernst genommen. Frauen werden nicht nur mit Aktionen Typ Frauen auf Zacken oder Frauen-Cafés gelockt, sondern auch mit lockeren Diskussionsrunden, wo sich Frauen über ihre spezifischen Problemen unterhalten können. In Schweden z.B. gibt es kaum eine Ausstellung oder Werbeschau ohne die sehr beliebte Tussi-Ecke, die nicht von mitgeschleppten nicht sammelnden Ehefrauen gefüllt ist, sondern von vollblütigen Philatelistinnen.

Wie ist die Zielgruppe Frauen zu erreichen? Ich würde sagen, genau so wie die erstrebte Frauenquote in der Politik und die Wirtschaft erhöht wird: Förderung durch Anerkennung, Gleichberechtigung, Chancengleichheit. Merken die Frauen, dass sie ernst genommen werden und nicht mehr hören müssen, dass Briefmarken Männersache ist und dass Frauen und Philatelie nicht zusammenpassen, dann könnten sie ihr Hobby in einem Verein entspannter angehen.

Aber wie lockt man überhaupt die Frauen an? Wie kann man sie dazu bewegen den ersten Schritt zu machen? Und danach dauerhaft zu den Vereinstreffen zu kommen? Erwartet eine Frau vom Verein etwas anderes als ein Mann? Sammeln die Frauen anders als ein Mann? Wie reagieren die Männerrunden auf weibliche Mitglieder? Sollten die Frauen eher in speziellen Frauenvereinen geparkt werden?

Egal ob Sie Frau oder Mann sind, Ihre Kommentare zu diesem Artikel und Ihre Antworten zu den Fragen interessieren mich, da ich auf der Suche nach einer klaren Linie für die Bewerbung von weiblichen Mitgliedern bin. Sprechen Sie gerne auch mit sammelnden und nicht sammelnden Frauen und Männern in Ihrer Nähe.

Auf Ihre Kommentare und Antworten freue ich mich im Voraus und danke Ihnen für das Mitmachen.

Gertrude Almquist-Bois

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(4.8.2017)